Der perfekte ETF für Nordamerika

Nach Europa und Emerging Markets geht es weiter mit der Suche nach dem perfekten Indexfonds für Aktien aus Nordamerika.

Was ist Amerika?

Die erste Frage die sich dabei stellt: Was versteht man unter Nordamerika: Nur die USA, oder auch Kanada, oder gar Mexiko? Es gibt eine Reihe von Indizes zur Auswahl, vom Dow Jones Industrial Average über den Standard & Poor’s 500 bis hin zum MSCI USA oder MSCI North America.

Der Dow Jones ist mit dreissig enthaltenen Titeln schlicht zu klein für eine vernünftige Diversifizierung. Besser sind da schon MSCI USA mit 600 Werten oder Standard & Poor’s mit 500. Beide Indizes konzentrieren sich aber rein auf die USA. Der MSCI North America berücksichtigt auch Kanada, hier gibt es aber lt. JustETF gerade mal zwei ETF, die diesen Index abbilden (Zum Vergleich: auf den S&P 500 gibt es 13 Indexfonds). Die mangelnde Konkurrenz spiegelt sich in den Kosten wider: Der einzige ausschüttende ETF auf den MSCI North America hat eine Kostenquote von 0,40 Prozent, vergleichbare ETF auf den S&P 500 haben nur ein Fünftel der Kosten. Hier lohnt es sich also – zumindest kostenseitig – auf die marktgängigeren Indizes zu setzen und auf die Diversifikation nach Kanada zu verzichten. Ist auch nicht ganz so dramatisch, da Kanada z.b. im MSCI North America eh nur sechs Prozent der Gewichtung ausmacht.

Fokus USA

Vernachlässigen wir also die elchverarbeitende Industrie in Kanada und setzen auf einen rein US-zentrierten Index. Hier haben wir die Auswahl zwischen dem S&P 500 und dem MSCI USA. Der MSCI ist etwas besser diversiviziert, da er 600 statt 500 Unternehmen enthält, dafür nehmen die ETF Anbieter für diesen Index allerdings im Schnitt deutlich höhere Gebühren. Aus Kostengründen entscheiden wir uns also für den S&P 500, jetzt brauchen wir nur noch den optimalen ETF auf diesen Index. Meine – ganz persönlichen – Kriterien für einen „perfekten“ ETF habe ich hier näher beschrieben, der ETF sollte:

sein. Leider gibt es keinen Indexfonds auf den S&P 500 mit Domizil in Deutschland, was die Steuereinfachheit garantieren würde. Zweitbeste Lösung ist daher ein ausländischer Ausschütter, der steuerlich i.d.R. auch keine Probleme machen sollte. Und siehe da, es gibt gleich drei Anbieter, die einen vollreplizierenden ausschüttenden ETF auf den S&P 500 anbieten, und das zu erstaunlich günstigen Kosten (TER – total expense ratio):

ETF ISIN TER Größe (Mio)
HSBC ETFs PLC – S&P 500 UCITS ETF A DE000A1C22M3 0,09% 1.800
UBS (Irl) ETF plc – S&P 500 UCITS ETF (USD) A-dis IE00B7K93397 0,12% 82
SPDR S&P 500 UCITS ETF IE00B6YX5C33 0,09% 1.140

Von den Kosten her liegen der ETF von HSBC und SPDR gleichauf. Der HSBC hat allerdings ein deutlich größeres Fondsvolumen, was für die Handelbarkeit und Zukunftsfähigkeit des ETF ein kleiner Vorteil ist. Wir entscheiden uns also für den HSBC S&P 500 UCITS ETF A und nehmen ihn in unser Standardportfolio mit auf.

Eine Alternative wäre noch der Deka MSCI USA UCITS (DE000ETFL268), der nicht auf den S&P 500 sondern auf den MSCI USA aufgelegt ist. Dieser ETF ist vollreplizierend, ausschüttend und hat ein deutsches Fondsdomizil, was ihn garantiert steuereinfach macht. Allerdings liegt die Kostenquote (TER) hier bei 0,3%, also mehr als dem dreifachen des vergleichbaren S&P ETF.

Einstieg oder Abwarten?

Bleibt nur noch die Frage, ob nach der Rekordrally der letzten drei Jahre, in denen sich der S&P 500 knapp verdoppelt hat und von einem Allzeithoch zum nächsten gestürmt ist, jetzt wirklich ein guter Einstiegspunkt ist. Zudem die Euroschwäche das ganze für europäische Anleger nochmal um ein Drittel teurer gemacht hat als vor einem Jahr. Market Timing klappt zwar statistisch erwiesen nie, aber dass heißt ja nicht, dass man kein mulmiges Gefühl haben darf, wenn die Kursstände sich auf einem historisch einmaligem Niveau bewegen.

 

Disclaimer:

Die ETF-Daten sind der Website JustETF.com entnommen und ohne Gewähr. Die Inhalte dieser Website stellen keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar. Sämtliche Aussagen und Einschätzungen basieren auf der persönlichen Meinung des Autors und sind explizit keine Anlageberatung.

13 Kommentare zu “Der perfekte ETF für Nordamerika

  1. Moin!

    Vielen Dank für die sehr detaillierte DIY Anleitung wie man den MSCI World nachbauen kann.
    Ihre Kriterien (Ausschüttend, Replizierend, Steuereinfach & Preisgünstig) decken sich zu 100% mit meinen Vorgaben

    Würde mich sehr freuen, wenn Sie mir/uns irgendwann noch eine Empfehlung geben können ob man den ETF der den Kursindex nachbildet oder den EFT mit Performance Index nehmen sollte…

    Grüße aus HH

    Nikos

    • Das ist eine gute Frage. Da ich mich ja auf ausschüttende ETFs konzentriere, sollten diese eigentlich den Kursindex nachbilden, denn die Dividenden werden ja ausgeschüttet und nicht in den Kurs reingerechnet, wie das bei einem Performance-Index der Fall wäre. Tatsächlich richtet sich der hier erwähnte HSBC ETF laut Anbieterseite am S&P 500 Total Return Netto aus (siehe: http://www.etf.hsbc.com/etf/de/individual?fundid=HETF009) – das wäre der Performanceindex inklusive Zinsen und Dividenden (aber abzüglich Steuern, daher das Netto). Zu den Indexvarianten hat der Finanzwesir eine ganz gute Übersicht erstellt: http://www.finanzwesir.com/blog/etf-steuerleck – warum ein ausschüttender ETF einen Performanceindex als Grundlage nimmt, erklärt der Artikel leider auch nicht. Da muss ich nochmal etwas weiter recherchieren.

  2. Welch schöne Teilzeitinvestor Seite: einfach – genial !

    Der HSBC S&P 500 UCITS ETF DE000A1C22M3
    hat das Domizil Irland und nicht Deutschland!
    ( onvista.de/etf/HSBC-S-P-500-UCITS-ETF-ETF-DE000A1C22M3 )

    • Ja, das stimmt, hatte ich ja auch geschrieben: Leider gibt es keinen Indexfonds auf den S&P 500 mit Domizil in Deutschland.

    • Der UBS ETF auf den MSCI USA erfüllt prinzipiell meine Kriterien (physisch, ausschüttend), ist aber im Vergleich zu den hier aufgeführten Fonds auf den S&P 500 teurer. Laut UBS Website liegt die Kostenquote (total expense ratio) bei 0,2 Prozent, die von dir erwähnten 0,14 sind nur die Management Fee. Im Vergleich zu den 0,09 Prozent des HSBC Fonds auf den S&P500 liegen die Kosten damit mehr als doppelt so hoch.

      Wobei 0,2 Prozent Kostenquote immer noch sehr günstig ist, wenn man das mit Indexfonds auf andere Regionen vergleicht. Ich würde bei Indexfonds auf den MSCI USA dann aber eher auf den erwähnten Deka Fonds zurückgreifen. Der ist zwar mit 0,3 Prozent TER noch teurer, dafür aber mit Fondsdomizil Deutschland und damit garantiert steuereinfach.

    • Der DEKA DE000ETFL268 ist steuerhässlich? Kann er als inländischer Ausschütter doch gar nicht sein. Oder hab ich da was übersehen?

  3. Laut Bundesanzeiger ist der eigentlich ausschüttende „HSBC ETFs PLC – S&P 500 UCITS ETF A“ dank Teilthesaurierung doch als steuerhässlich einzustufen, oder?
    Dasselbe gilt für die ebenfalls von dir angeführten „UBS (Irl) ETF plc – S&P 500 UCITS ETF (USD) A-dis“ und „SPDR S&P 500 UCITS ETF“.
    Soweit ich das erkennen kann ist bei den Beispielen kein steuereinfacher ETF dabei… Falls ich mich irre, bitte ich um eine Korrektur, ich lerne gerne dazu.

    • Meines Wissens kommt es auch die die Höhe der thesaurierten Erträge an. Wenn die augezahlten Erträge hoch genug sind, um damit auch die Steuern der nicht ausgezahlten thesaurierten Beträge zu begleichen, dann kann die Depotbank das miteinander verrechnen und es bleibt steuereinfach. Als Richtgröße hatte ich hier mal von 40% gelesen: Wenn die ausgeschütteten Beträge mindestens 40% der ausschüttungsgleichen Beträge betragen, dann klappt das mit dem gegenseitigen verrechnen.

      Das sollte beim HSBC der Fall sein, denn lt. Bundesanzeiger lagen die teilthesaurierten Beträge in 2016 bei 0,0067654 Dollar, während die Endausschüttung bei 0,2282464 Dollar lag, also deutlich höher.

  4. Ah, interessant. Vielen Dank für deine Antwort!
    Nur aus Interesse: Weißt du noch, aus welcher Quelle du diese 40% hast? Beziehungsweise, wer könnte das einem schwarz auf weiß geben? Ich gehe gerne auf Nummer sicher… 😉

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