Dividendenrendite: Das sahnige Geheimnis der Indexfonds

Dividendenrendite: Das sahnige Geheimnis der Indexfonds

Wenn man in ausschüttende Indexfonds anlegt (aus Gründen), ist ein wesentlicher Teil des Spaßes die jährliche oder sogar quartalsweise Auszahlung der Dividenden auf das eigene Konto, schließlich sieht man dann nicht nur virtuelle Buchgewinne in seinem Depot, sondern bekommt den eigenen Anlageerfolg in hartem Cash ausgezahlt. Wieviel so ein Indexfonds ausschüttet (und wann), ist allerdings gar nicht mal so einfach herauszufinden.

Bei Einzelaktien ist das ganze recht simpel. So ziemlich jede Finanzseite im Internet zeigt zum Kurs einer Aktie auch die Dividendenrendite, also das Verhältnis zwischen Kurs und Dividende. Und zwar nicht nur rückwirkend, sondern auch als Schätzung auf Basis der voraussichtlichen Ausschüttung in den kommenden Jahren. Auch der Ausschüttungstermin wird vom Unternehmen frühzeitig kommuniziert und ist i.d.R. auf allen Finanzportalen gelistet.

Beispiel Daimler Aktie: Die Finanzseite Onvista zeigt für den 19.10. die folgenden Daten zur Dividendenrendite:

2016e 2015e 2014
Dividende je Aktie (in EUR) 2,89 2,63 2,45
Dividendenrendite (in %) 4,00 3,64 3,55

Für das Geschäftsjahr 2015 wird also eine Dividendenzahlung in Höhe von 2,63 EUR erwartet, was im Verhältnis zum aktuellen Kurs genau 3,64 Prozent Rendite entspricht. 2016 wird die Dividende nach Analystenschätzung um 26 Cent erhöht, so dass die Rendite auf vier Prozent steigt (bei gleichbleibendem Aktienkurs). Interessanterweise ist nicht ganz klar, welcher Kurs hier zugrunde gelegt wird. Rechnerisch wird von einem Kurs von 72,25 EUR ausgegangen (einfacher Dreisatz: Wenn 2,89 EUR Dividende 3,64% sind, sind 72,25 EUR 100%), das entspricht aber weder dem angezeigten aktuellen Kurs bei Onvista noch dem Vortageskurs. Näherungsweise kommt das aber hin und reicht aus, um einen Überblick über die zu erwartenden Rendite verschiedener Aktien zu bekommen.

Marktlücke

Bei Indexfonds findet man solche Angaben zu Dividendenrenditen kaum. Was man findet ist meist eine Liste der konkreten Ausschüttungsbeträge in der Vergangenheit, aber was das ganze in Relation zum aktuellen Kurs an Rendite in Prozent bedeutet, muss man sich schon selber ausrechnen. Eine Marktlücke, die sogar der eine oder andere Blogger nutzt, um handgepflegte Exceltabellen anzubieten, die die begehrten Renditezahlen ausspucken. Und auch bei der Website  JustETF ist Ausschüttungsrendite nur als kostenpflichtige Premiuminformation zu erhalten.

Ein Grund ist sicher die Komplexität im Vergleich zu Einzelaktien: Ein Index wie der Stoxx Europe 600 beinhaltet, wie der Name schon sagt, 600 Firmen, die alle zu unterschiedlichen Terminen und in unterschiedlicher Frequenz ihre Dividenden ausschütten. Dann ändert sich zwischenzeitlich womöglich die Indexzusammensetzung, und Steuern machen das ganze noch komplizierter: Quellensteuern und andere Abzüge werden nicht nur bei eigenen Aktienkäufen oder Zinseinkünften fällig, sondern auch bei allem, was so innerhalb eines Indexfonds so anfällt. Insofern ist es gar nicht mal so trivial vorauszusagen, wie hoch die zu erwartende Dividende sein wird. Rückblickend ist das natürlich machbar, also „Wie hoch ist die Rendite, wenn die Ausschüttung der letzten 12 Monate, die ja bekannt sind, auch in den nächsten 12 Monaten so bleiben würden, gerechnet auf den aktuellen Kurs“. Und das sind dann auch die Werte, die z.b. bei JustETF als Premiumfunktion angezeigt werden.

Wann kommt die Kohle?

Während die Dividendenrendite in Prozent letztlich nur ein mathematischer Wert ist, ist man leider auch bei der Auszahlung der Dividende in harten Euros dem Gutdünken des ETF-Anbieters ausgeliefert. Einige Anbieter haben zumindest halbwegs regelmäßige Ausschüttungstermine (z.b. quartalsweise), bei anderen muss man sich schlicht überraschen lassen, wann und in welcher Höhe etwas ausgeschüttet wird. So richtig festlegen will sich da niemand, iShares schreibt z.B. über den beliebten Stoxx Europe 600 ETF, er schütte „bis zu“ vier mal im Jahr aus. Oder halt auch nicht.

Beispiel db x-trackers EURO STOXX 50 (DBX1EU): Der Indexfonds auf den Euro Stoxx 50 hat in der Vergangenheit in schöner Regelmäßigkeit im Juli die Dividende überwiesen (immer so um die ein Euro pro Anteil). Für das laufende Jahr gab auf einmal im April eine Minimalzahlung von 4 Cent, und seit dem gar nichts mehr. Der Grund wird vermutlich sein, dass der ETF vor einiger Zeit von synthetische auf physische Replikation umgestellt wurde, und sich damit auch der Auszahlungsrhythmus ändert. Aber das muss man sich als Anleger schon irgendwie selber zusammenreimen. Und ob und in welcher Höhe dieses Jahr noch was kommt, steht in den Sternen, aber leider nicht auf der Anbieterhomepage. Zumindest weist db x-Trackers auf der eigenen Seite die Dividendenrendite aus, die für das laufende Jahr (bislang) sagenhafte 0,11 Prozent beträgt.

Alles nicht so wild?

Diese Intransparenz ist allerdings glücklicherweise eher ein psychologisches Problem, denn wie der Finanzwesir immer wieder betont: Bei Indexfonds sind wir Privatanleger ganz kleine Lichter. Das eigentliche Geschäft wird mit institutionellen Investoren gemacht, und die werden schon genau nachrechnen, ob sie über den Tisch gezogen werden oder ob alle Dividenden auch fein säuberlich abgerechnet und korrekt ausgezahlt werden. Insofern kann man davon ausgehen, dass schon alles irgendwie seine Richtigkeit hat. Andererseits: Wenn man von den ganzen Manipulationen liest, die in letzter Zeit bei Banken aufgeflogen sind, würde es mich auch nicht wundern wenn demnächst mal Unregelmäßigkeiten bei Indexfonds öffentlich werden. Für mich ein Grund, auch bei ETF-Anbietern nicht alles auf eine Karte zu setzen sondern zwischen den Anbietern zu diversifizieren. Und ein paar „echte“ Aktien beizumischen, da weiss man dann auch, wie es um die Dividende steht.

 

[Für Leser, die die 80er Jahre nicht live miterlebt haben: Das Sahnige Geheimnis)

8 Gedanken zu “Dividendenrendite: Das sahnige Geheimnis der Indexfonds”

  1. Vielleicht mal etwas besser recherchieren.
    Auf der Seite der db lässt sich ganz klar nachlesen, dass diese Umstellung zum Wohle der Anleger (=steuerliche Einfachheit) vorgenommen wurde. Jetzt werden 2 Ausschüttungen pro Jahr (April + Jahresende) vorgenommen.

    • Hmm, auf der oben verlinkten Produktdetailseite des Anbieters kann ich nach wie vor nichts finden, auch nicht im Factsheet und den Wesentlichen Anlegerinformationen.

  2. Naja, die „Marktlücke“ der Rendite-Berechnung füllt Morningstar schon seit Jahren. Dort gibt es kostenlos für unzählige Fonds und ETFs die Dividendenrendite:

    Zum Beispiel für den erwähnten DBX1EU: http://www.morningstar.de/de/etf/snapshot/snapshot.aspx?id=0P000081ZD

    Man kann nur leider nicht „rückwärts“ suchen, also die gewünschte Rendite nennen und dann passende Produkte angezeigt bekommen. Man muss schon wissen, welche Produkte man prüfen will.

    Grüße
    JoeFox

  3. Danke für den Hinweis. Hab auf der Morningstar Seite gerade mal ein paar ETF Werte nachgeschaut, das ist tatsächlich ganz hilfreich. Allerdings leider auch nicht verlässlich. Für den angesprochenen DBX1EUR wird hier auch nur eine Rendite von 0,12% ausgewiesen, weil die Hauptausschüttung erst zum Jahresende erfolgt und hier nicht berücksichtigt wird. Für eine Anlageentscheidung daher eher schwer zu gebrauchen, da auch keine historischen Werte zum Vergleich einsehbar sind.

    Weiteres Beispiel: Für den UBS Emerging Markets ETF (UB42AA, bzw. Tickersymbol FRA:UIMI) wird gar keine Dividendenrendite ausgewiesen, es sind aber im August rund 1 EUR pro Share ausgeschüttet worden. Wenn man etwas weiter sucht, findet man tatsächlich Angaben zur Ausschüttung, allerdings unter einer anderen Tickersymbol (XSWX:EMMUSA), das ist wohl derselbe ETF in Dollar.

    Es bleibt kompliziert.

  4. Stimmt, beim manchen Fonds wird zwar ein Ausschüttungs-Rhythmus genannt, aber keine konkrete Rendite. Warum auch immer. Da muss man dann selbst weiter recherchieren.

    Wenn aber eine Rendite genannt ist, dann ist die eigentlich schon korrekt. Es ist – wie es da steht – die 12-Monats-Dividendenrendite. Also was in den letzten 12 Monaten rein gekommen ist. Wenn ein Fonds über Monate nichts oder nur Kleckerbeträge ausschüttet, dann schmiert die Rendite-Angabe entsprechend ab. Die von dir genannte „Hauptausschüttung“ eines ETF – sollte sie künftig regelmäßig zum Jahresende kommen – wird das wieder ausgleichen und die Rendite entsprechend hoch ziehen, aber ein bislang mehr als mageres Jahr für den Anleger kann Morningstar halt auch nicht wegzaubern.

    • aber ein bislang mehr als mageres Jahr für den Anleger kann Morningstar halt auch nicht wegzaubern.

      Schade eigentlich, DAS wäre doch mal eine Marktlücke 😉

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