Das eigene Depot tracken mit Google Docs

Um einen Überblick über den eigenen Depotstand zu bekommen, macht man im einfachsten Fall seinen Online-Account bei der Bank auf und sieht mehr oder weniger komfortabel die aktuellen Kurse, Einstandspreise und Wertentwicklung der eigenen Aktien. Schwieriger wird es, wenn man seine Aktien auf unterschiedliche Banken und Broker verteilt hat, z.B. ein Abgeltungssteuerdepot bei Bank X, ein ETF-Sparplan-Depot bei Bank Y und ein Spielgeld-Depot bei Broker Z. In diesem Fall kann man ein Musterdepot bei ein einem der zahlreichen Finanzportale anlegen, trägt dort brav alle seine Wertpapiere mit Einstandskursen ein, und hat dann immer einen aktuellen Überblick über den Vermögensstand, jederzeit von überall online zugreifbar.

Wenn man umfangreichere Auswertungen machen will, kommen die Websites der Finanzportale allerdings schnell an ihre Grenzen: In welchen Regionen bin ich investiert, wie hoch ist die Dividenenrendite oder der Yield on Cost, etc. – Spätestens hier landet man bei Excel, weil die diversen Online Musterdepots nur die Standardkennzahlen liefern. Wie bekommt man aber die aktuellen Aktienkurse in seine Excel-Tabelle? Ohne Kursdaten machen die meisten Auswertungen keinen Sinn, und jeden Tag die Werte selber eintippen ist auch eher suboptimal. Glücklicherweise gibt es bei Excel eine Online-Schnittstelle zu MSN MoneyCentral, mit der man aktuelle Kursdaten in seine Tabellen importieren kann.

Noch einfacher (und kostenlos) ist Google Docs, mit dem Vorteil gegenüber Excel, dass die Daten von überall online zugreifbar sind, und hier auch eine sehr komfortable Schnittstelle zu Google Finance eingebaut ist, mit der man vom aktuellen Aktienkurs über Marktkapitalisierung bis hin zum Kurs-Gewinn-Verhältnis alles in seine eigene Online-Tabelle einbauen kann. Die Google Tabellenkalkulation hat alle Basisfunktionen von Excel, Berechnungsformeln lassen sich hier also genau auf die eigenen Bedürfnisse anpassen.

Los gehts

Loggen wir uns also bei docs.google.com ein und legen eine neue Tabelle an. In die erste Spalte tragen wir die Namen der Wertpapiere ein, die wir besitzen, in die zweite Spalte die Stückzahl, und in Spalte drei den Kaufpreis pro Aktie.

A B C
1 Name Stk Kaufpreis
2 Daimler 10 25,50
3 Apple 10 90,21
4 iShares STOXX 600 10 28,95

In der nächsten Spalte machen wir die erste Berechnung: Wie hoch war Kaufpreis in Summe, also Stück mal Kaufpreis. Formel in diesem Beispiel: =B*C :

A B C D
1 Name Stk Kaufpreis Summe
2 Daimler 10 25,50 =B2*C2
3 Apple 10 90,21 =B3*C3
4 iShares STOXX 600 10 28,95 =B4*C4

Google Docs zeigt euch natürlich statt der orangen Formel direkt das Ergebnis in der Tabelle an. Soweit, so unspannend. Interessanter ist die Frage, wie das Depot aktuell steht. Um aktuelle Börsendaten abzurufen, gibt es die mächtige Formel =GOOGLEFINANCE. Damit kann ich vom Börsenkurs über das KGV bis hin zur Marktkapitalisierung alle möglichen Daten in meine Tabelle einbauen. Einzige Hürde: Google Finance versteht keine deutschen WKN oder ISIN, man muss sich am Tickersymbol der Aktie orientieren, kombiniert mit dem Handelsplatz. Da wir uns für Kurse in Euro interessieren, nehmen wir den Börsenplatz Frankfurt mit dem Kürzel FRA. Dahinter kommt dann das Tickersymbol, für Apple wäre das z.B. FRA:APS, für Daimler FRA:DAI, oder für den Indexfonds iShares STOXX 600 das Kürzel FRA:EXSA. Die Kürzel kann man z.b. auf der Seite der Börse Frankfurt nachschauen. In Spalte E tragen wir also das Tickersymbol unserer Aktien und Fonds ein, und in der nächsten Spalte lassen wir uns dann anhand dieses Tickersymbols den aktuellen Kurs ausgeben, mit der Formel =GOOGLEFINANCE(Symbol)

A B C D E F
1 Name Stk Kaufpreis Summe Symbol aktueller Kurs
2 Daimler 10 25,50 =B2*C2 FRA:DAI =GOOGLEFINANCE(E2)
3 Apple 10 90,21 =B3*C3 FRA:APS =GOOGLEFINANCE(E3)
4 iShares STOXX 600 10 28,95 =B4*C4 FRA:EXSA =GOOGLEFINANCE(E4)

Um sicherzugehen, dass man auch das richtige Tickersymbol erwischt hat, kann man sich mit =GOOGLEFINANCE(FRA:DAI;“name“) den Namen des Wertpapiers ausgeben lassen (in diesem Fall kommt als Ergebnis „Daimler AG“).

Um die simple Tabelle zu vervollständigen, multiplizieren wir den aktuellen Kurs jetzt noch mit der Stückzahl (=B*F) und haben damit den aktuellen Gesamtwert. In der letzten Spalte ziehen wir vom aktuellen Wert den Kaufwert ab (=G-C) und sehen den Gewinn bzw. Verlust für die Position

A B C D E F G H
1 Name Stk Kaufpreis Summe Symbol aktueller Kurs Summe Gewinn
2 Daimler 10 25,50 =B2*C2 FRA:DAI =GOOGLEFINANCE(E2) =B2*F2 =G2-C2
3 Apple 10 90,21 =B3*C3 FRA:APS =GOOGLEFINANCE(E3) =B3*F3 =G2-C2
4 iShares STOXX 600 10 28,95 =B4*C4 FRA:EXSA =GOOGLEFINANCE(E4) =B4*F4 =G2-C2

Abschließend noch eine Summenzeile für die Gesamtperformance des Depot einfügen und fertig ist eine erste dynamische Depotübersicht. In Google Docs sieht das ganze dann, mit etwas Formatierung aufgehübscht, so aus:

depot_googledocs

Diese simple Depotübersicht ist nur ein erster Einstieg. Die Tabelle kann über die GoogleFinance Funktion ergänzt werden mit Daten wie 52 Wochen Hoch, Beta-Wert, Handelsvolumen oder Gewinn pro Aktie.  Ein paar Beispiele:

=GOOGLEFINANCE(FRA:DAI;“pe„) liefert das Kurs/Gewinn Verhältnis („price/earnings“) für die Daimler Aktie
=GOOGLEFINANCE(FRA:DAI;“eps„) liefert den Gewinn pro Daimler-Aktie  („earnings per share“)
=GOOGLEFINANCE(FRA:DAI;“marketcap„) zeigt die Marktkapitalisierung von Daimler
=GOOGLEFINANCE(FRA:DAI;“high52„) liefert den Höchstkurs von Daimler der letzten 52 Wochen

Natürlich kann man neben den aktuellen Daten auch historische Werte abrufen, um so sein Depot im Verlauf zu analysieren.

16 Kommentare zu “Das eigene Depot tracken mit Google Docs

  1. Hallo!
    Vielen Dank für diesen tollen Artikel! Ich gestehe, dass ich bisher noch mühsam meine Kurse vom Depot in die Google Docs Tabelle abgetippt habe. Da ich Google Docs liebe, war das hier eine richtige Offenbarung 😉

    • Ja, das ganze macht nur Sinn, wenn man Spaß am Rumspielen mit Excel & Co hat, ansonsten ist ein fertiges Produkt wie der Dividendenmanager wohl die bessere Wahl. Wobei ich den selber noch nicht ausprobiert habe.

  2. Vielen Dank für diese Anleitung.
    Ich bin schon etwas älter und mit diesem Medium – google docs etc. – noch nicht sehr vertraut. Ihr Beitrag hat mir sehr geholfen, denn ich kam durch das Zusammenlegen meiner beiden Depots zu neuen Erkenntnissen. Danke.
    (Meine aktiv gemanagten Fonds ließen sich mit dieser Methode nicht einbinden. Gibt es da einen Trick oder geht es einfach nicht? Ich kann das leider nicht beurteilen; falls jemand diesen Eintrag liest und letzte Frage klären könnte, fände ich eine Antwort auf diese Frage hilfreich.)
    Ich lese Ihren Blog gerne, denn ich stimme Ihnen in vielen Punkten zu und auch meine ETF-Auswahl ähnelt der Ihren.
    Ich wünsche Ihnen weiterhin Erfolg.

  3. Hi, super Idee.
    Nach genau sowas habe ich gesucht!

    Ich habe bei mir allerdings das Problem, dass ich nicht alle Papiere finde. Bspw. DWS Top Portfolio Balance und Top Dividende…

    Gibts da einen Trick?

    • Leider nein, zumindest hab ich noch keinen entdeckt. Für Aktienwerte taugt die Google Finance Schnittstelle gut, für spezielle Fonds findet leider nicht immer die Werte.

  4. Super Beitrag!

    Wenn noch irgendwie der GD200 ausgelesen werden könnte würde mir googledocs ausreichen.

    Hat hier jemand einen Tipp?

  5. Der Tipp ist großartig und ich habe mir das jetzt auch mal ein paar Spreadsheets angelegt als Ergänzung zur Software Portfolio Management. Gerade um schnell ein paar Ideen zu skizzieren und sich Grafiken ausgeben zu lassen mit Soll- und Ist-Vergleichen ist Google Docs wirklich gut geeignet. Die Sache mit den Ticker-Symbolen ist bei Portfolio Management aber ähnlich: man muss schon danach suchen, denn im Unterschied zu ISIN und WKN wird das Symbol oft nicht angegeben bei Infos zum entsprechenden ETF.

  6. Hey Leute,

    ich habe mir vor ein paar Tagen eine Google Tabelle zusammengestellt die mir (open, low, high sowie close) anzeigen soll. Soweit so gut. Meine Formel wäre für open:

    =GOOGLEFINANCE(C1;“open“;A4;21;“Daily“) C1 Ist der Aktiencode und A4 das Datum… Leider stimmten die ausgegebenen Werten nicht. Ich habe es mit ein paar unterschiedlichen Handelsplätze probiert, sind leider deutliche unterschiede zu sehen.

    Jemand eine Ahnung ob ich eventuell etwas falsch geriert habe?

    open:=GOOGLEFINANCE(C1;“open“;A4;21;“Daily“)
    low:=GOOGLEFINANCE(C1;“low“;A4;21;“Daily“)
    high:=GOOGLEFINANCE(C1;“high“;A4;21;“Daily“)
    close: =GOOGLEFINANCE(C1;“close“;A4;21;“Daily“)

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