Bitcoin Mining: Das erste Geld ist da

Seit drei Wochen bin ich groß ins Bergwerkgeschäft eingestiegen: Mittlerweile ist die erste Auszahlung für meine Mining-Aktivitäten erfolgt, und ich kann in echten Euros überprüfen, ob sich das Crypto-Mining tatsächlich lohnt oder nur ein theoretisches Zahlenspiel war. 

Mit dem Schürfen von Bitcoins und anderen digitalen Währungen geht man im Prinzip eine doppelte Spekulation ein: Zum einen investiert man in Hardware (und Strom), um diese Rechenleistung gegen virtuelle Währung einzutauschen. Zum anderen ist man vom Kurs der virtuellen Währung abhängig, wenn man das verdiente Digitalgeld in harte Euros wechseln will.

Der Kurs „Rechenleistung gegen Bitcoins“ ist tendenziell immer auf dem Sinkflug, d.h. für konstante Rechenleistung erhalte ich über die Zeit immer weniger virtuelle Coins. Das liegt an der sogenannten Difficulty, die in die Architektur der meisten virtuellen Währungen eingebaut ist: Bei Bitcoins steigt die Schwierigkeit, neue Coins zu errechnen, mit der Anzahl der bereits vorhandenen Bitcoins stetig an. Insofern muss sich die Mining-Hardware schon in ein paar Monaten bezahlt gemacht haben, weil man damit im nächsten Jahr kaum noch konkurrenzfähig schürfen kann.

Die zweite Komponente „Digitalgeld gegen Euro“ ist hingegen kaum vorhersehbar: Genauso schnell wie der Kurs von Bitcoin und Ethereum in den letzten Monaten in die Höhe geschossen ist, kann es auch wieder in die andere Richtung gehen. Derzeit halten sich die Kurse trotz eines leichten Rückgangs auf hohem Niveau, gute Rahmenbedingungen also für das heimische Mining.

Neue Spitzhacke

Um vom aktuellen Hype besser zu profitieren, habe ich mein Mining-Equipment kurzfristig nochmal aufgerüstet. Statt der Einstiegs-Grafikkarte des Typs nVidia GTX 1050TI bin ich mittlerweile auf die knapp doppelt so teure (und doppelt so schnelle) GTX 1060 gewechselt (konkret eine MSI GeForce GTX 1060 6GT OC). Das war für sich genommen schon einmal ein gutes Geschäft: Aufgrund der aktuellen Verknappung auf dem Grafikkartenmarkt ist meine Karte seit dem Kauf mittlerweile fast ein Drittel teurer geworden, wenn man sie denn überhaupt noch irgendwo bekommt. Grafikkartenspekulation lohnt sich also schon mal 🙂

Das Mining selber mache ich über Nicehash: Strengenommen mine ich hier gar nicht selber sondern vermiete meine Rechenleistung, das kommt aber ziemlich aufs selbe raus und vereinfacht den Prozess. Und ich schürfe gar nicht nach Bitcoins, sondern nach dem derzeit viel lukrativeren Ethereum. Aber das optimiert Nicehash alles automatisch im Hintergrund, am Ende kommen Bitcoins für mich raus. Man braucht bei Nicehash noch nicht mal einen Account: Einfach das Mining-Programm auf dem eigenen Rechner installieren, die eigene Bitcoin-Adresse eintragen, und los gehts. Nicehash zeigt auch immer schön die bereits verdienten Bitcoins an. Mit meiner Grafikkarte sind das aktuell umgerechnet knapp zwei Euro am Tag. Die Auszahlung erfolgt aber erst ab einem Mindestwert, derzeit sind das 0,01 Bitcoins, was rund 20 EUR entspricht.

Geldbörse her

Jetzt braucht man nur noch ein sogenanntes „Wallet“, in das die frisch verdienten Bitcoins reinpurzeln können.Ich nutze als Wallet eine Software namens Electrum. Damit kann man sich in wenigen Minuten eine eigene Geldbörse auf dem Rechner installieren. Electrum generiert eine Empfängeradresse, die man bei Nicehash eintragen kann, und am Auszahlungstag erscheint dann wie durch Zauberei der Betrag in der eigenen Bitcoin-Geldbörse.

Bitcoins sendenDas ist der Charme an Bitcoin: Man braucht keine Bank, keine IBAN oder Überweisungsformulare, eine Übertragung vom Sender zum Empfänger erfolgt direkt, ohne zwischengeschaltete Zahlungsinstitute. Ganz umsonst ist das natürlich auch nicht, Nicehash berechnet eine Gebühr von 0,005 Bitcoins pro Überweisung, das entspricht nach derzeitigem Kurs etwa 1,10 Euro. Statt einer Geldbörse auf dem eigenen Rechner kann man auch Online-Wallets nutzen, für jeden Geschmack gibt es da mitterweile Anbieter – Nicehash selber bietet auch eine Online-Geldbörse an.

Weg mit den Bitcoins

Da ich nicht im Bitcoin-Spekulationsgeschäft bin sondern im Mining-Business, geht es mir nicht darum die geschürften Coins zu horten, sondern sie schnellstmöglich in Euros umzuwandeln (um damit z.b. die explodierende Stromrechnung bezahlen zu können). Wie bekomme ich also die Bitcoins aus meiner elektronischen Geldbörse auf mein Euro-Konto bei der Bank? Das ist gar nicht mal so simpel, denn während ich Bitcoins ohne zwischengeschaltete Banken hin- und hertransferieren kann, brauche ich für den Wechsel in Euros einen Dienstleister.

Erste Anlaufstelle ist die deutsche Seite Bitcoin.de, laut Eigenwerbung die größte Bitcoin-Börse Europas. Allerdings ist das weniger eine Wechselstube zu festen Kursen sondern eher eine Art Ebay für Bitcoins, wo ich eine Anzeige zum Kauf oder Verkauf einer Summe aufgebe und warte, bis jemand darauf eingeht. Das ist mir deutlich zu kompliziert, ich will die Bitcoins per Knopfdruck in harte Euros umwandeln und nicht noch rumfeilschen. Das ist z.B. möglich bei internationalen Börsen wie Kraken oder Coinbase.

Kraken wird allgemein empfohlen, hat aber einen sehr langwierigen Registrierungsprozess. Um statt mit virtuellen Coins mit echten Euros zu handeln, muss ich mich über verschiedene Ebenen legitimieren. Und da Kraken Deutschland wohl als Schurkenstaat betrachtet, werde ich besonders hart geprüft: Kraken verlangt ernsthaft, dass ich ein Foto von mir und meinem Ausweis vor dem Spiegel mache und hochlade. Äh… nein, das geht mir dann doch etwas zu weit. Dazu scheint das ganze auch recht lange zu dauern, man liest von mehreren Wochen, die die sogenannte „Tier3“ Legitimierung bei einigen Nutzern benötigt.

Also weiter zum Wettbewerber Coinbase*. Auch hier ist eine Legitimation erforderlich: Bestätigen von e-Mail und Handy-Nummer, Hochladen einer Ausweiskopie, Testüberweisung vom Bankkonto. Aber insgesamt ist das alles deutlich fixer und weniger übergriffig, und nach einem Tag kann es mit Ankunft der Testüberweisung bei Coinbase losgehen.

Die Bitcoins vom Wallet auf dem eigenen Rechner auf das Coinbase Konto zu übertragen geht mit ein paar Mausklicks, und in wenigen Sekunden Minuten Stunden ist das digitale Geld transferiert. Das kostet mal wieder Gebühren, diesmal rund 50 Cent, die ich mir aber auch hätte sparen können, wenn ich nicht den Umweg über meine lokale Geldbörse gegangen wäre und von Nicehash direkt nach Coinbase überweisen lassen hätte.

coinbase überweisungIn Coinbase angelangt lassen sich die Bitcoins mit einem Klick in Euro umwandeln. Umsonst ist das natürlich auch nicht: 1,99 Euro Gebühren nimmt Coinbase, plus vermutlich einen profitablen Spread zwischen An- und Verkaufskurs. Jetzt hab ich endlich meine Euros, aber leider sind die immer noch nicht auf meinem N26-Konto. Das geht mit ein paar weiteren Mausklicks und, man ahnt es, nochmal einer Gebühr, diesmal aber nur 15 Cent.

Was springt raus?

In den ersten zweieinhalb Wochen habe ich insgesamt 0,0148 Bitcoins verdient. Abzüglich Auszahlungs- und Wechselgebühren sind davon knapp 30 Euros auf meinem Bankkonto angelangt. Laut Strommessgerät hat das Mining insgesamt 43 Kilowatt verbraten, was etwa 11 Euro an Stromkosten entspricht. Netto bleiben also nur noch knapp 20 Euro Rohertrag.

Nicehash Einnahmen 0,0147900 Bitcoins
Auszahlungsgebühr – 0,0005916 Bitcoins
Auszahlung Bitcoins 0,0141984 Bitcoins
Transfer Fee zu Coinbase – 0,0002134 Bitcoins
Wechsel in Euro 31,84 EUR
Coinbase Wechselgebühr – 1,99 EUR
Coinbase Auszahlungsgebühr – 0,15 EUR
Auszahlung EUR
29,70 EUR
Stromkosten – 11,21 EUR
Nettoverdienst 18,49 EUR

Die Grafikkarte hat 270 EUR in der Anschaffung gekostet, beim derzeitigen Schürfergebnis hätte sie sich erst in rund 30  Wochen amortisiert. Als ich die Karte gekauft hatte, sah die Rechnung noch deutlich besser aus, die Rendite hat sich innerhalb von drei Wochen fast halbiert. Denn die Bitcoin- und Ethereum-Kurse sind zwischenzeitlich gefallen, die Difficulty im Netz gestiegen, und die Zahl der konkurrierenden Miner vermutlich explodiert. Mit dem Effekt dass ich mit meiner doppelt so teuren Grafikkarte derzeit nur gerade den Ertrag erreiche, den ich anfangs noch mit meiner Einsteigerkarte erzielen konnte.

Die diversen Gebühren für Wechsel und Überweisung schmälern den Gewinn noch weiter, hier kann man in Zukunft aber sicher noch etwas optimieren, z.B. erstmal größere Summen ansammeln bevor man in Euro umrubelt. Was aber natürlich wieder ein Spekulationsrisiko birgt, falls der Bitcoin-Kurs weiter absackt.

Lohnt das alles?

Tatsächlich: Crypto-Mining ist nicht nur ein Zahlenspiel, sondern nach ein paar Wochen sind tatsächlich echte Euros auf dem Konto gelandet. Streng betriebswirtschaftlich gerechnet ist das ganze aber eher unprofitabel. Wenn ich die Zeit einberechne, die ich auf das Experiment bislang verwendet habe, komme ich auf den Bruchteil des gesetzlichen Mindestlohns. Darüber hinaus läuft mein Rechner rund um die Uhr, was nicht nur für die Grafikkarte, sondern auch für die restlichen Bauteile die Lebenszeit verkürzt. Wenn mir das Netztteil mal durchbrennt oder das Mainboard den Geist aufgibt, ist schnell der Verdienst von mehreren Monaten weg.

Durch die steigende Difficulty wird die Profitabilität auch tendenziell immer mehr abnehmen, und auf lange Sicht wird man bei deutschen Strompreisen eh nicht mit Minern aus Billigstromländern konkurrieren können. Wenn man das ganze professionell betreiben will, kommt irgendwann auch noch die Steuerthematik, der Finanzminister will schließlich auch seinen Teil vom Gewinn. Bei den Summen um die es bei mir geht kann man das ganze aber noch als Liebhaberei verbuchen.

Dennoch: solange der Hype weiterläuft und das Mining zumindest einen zweistelligen Eurobetrag im Monat einbringt, lass ich das erstmal weiterlaufen. Und wenn der Hype vorbei ist hab ich dann zumindest eine leistungsfähige Grafikkarte in meinem Rechner, die ich mir eh kaufen wollte und die sich damit dann zumindest teilweise selbst finanziert hat. Und ein paar Artikel für das Blog.

18 Kommentare zu “Bitcoin Mining: Das erste Geld ist da

  1. Hi,

    schöner Bericht, sehr interessant, Danke:-)

    Hab auch schon oft überlegt, aber im Moment ist mir die Zeit zu schade um mich da wirklich reinzuarbeiten. Die fertigen Miner sind zu teuer und Eigenbau braucht Zeit und Wissen.

    Juckt aber schon:-)

    Denke mit mehreren anständigen Karten und optimieren kann das echt sehr interessant sein.

    Ich zahle aktuell 20cent für die kWh, durch die PV mit vergütetem Eigenverbrauch tagsüber noch etwas weniger.
    Würde also in die Karten spielen….Hmm:-)

    Halt uns auf dem Laufenden. Wär schön wenn du monatlich berichten könntest👍

    Gruß Chris

  2. Bei mehr als 256€ Einnahmen pro Jahr musst du versteuern! Unabhängig davon das effektiv z. B. nur 10€ hängen bleiben

  3. Danke für den interessanten Artikel.
    Das Mining mir alles zu umständlich und spekulativ, aber ich spiele mit dem Gedanken, mir kleine Mengen an verschiedenen Kryptowährungen zu besorgen. Sozusagen eine winzige Menge Geld einzusetzen für die Spekulation, den Nervenkitzel.
    Das wollte ich vor zwei Jahren auch schon mal machen mit Bitcoin. Hätte ich das damals gemacht, hätte ich sicher traumhafte 3-stellige Renditen einfahren können. Damals war das aber noch nicht so komfortabel wie heute, das klang so als müsste man sich schon recht gut auskennen und selbst dann hätte man wohl recht leicht seine Bitcoins wieder verlieren können (Hacker, Betrüger, …).

    • Ich hatte auch damit geliebäugelt, Bitcoins zu kaufen, als sie letztes Jahr auf 200 EUR gefallen waren. Das wäre ein schöner Gewinn gewesen. Aber letztendlich ist das alles ein großes Lotteriespiel, das kann genauso schnell auch wieder in die andere Richtung gehen.

  4. Interessant mal ein paar Zahlen zu sehen. Persönlich finde ich Mining auch super spannend, aber dann doch etwas zu zeitintensiv. Und da Ethereum sowieso auf Proof of Stake wechseln wird, ist zumindest bei dieser Währung Mining nur noch für einige Monate möglich. Aber es gibt ja genug andere Coins.

    Vor einigen Monaten habe ich Crypto aber in mein Portfolio aufgenommen und investiere monatlich ca. 25% meines Ersparten.

    Die Renditen sind astronomisch und auch wenn man vielleicht keine 3000% pro Quartal erwarten sollte, zumindest nicht in der Masse, erwarte ich eine deutlich höhere Rendite als an der Börse. Sprich 10% pro Monat können es für die nächsten Jahre durchaus sein.

    Um das nachvollziehen zu können, ist aber ein gewisses Verständnis für die Auswirkungen durch Distributed Ledgers erforderlich.

    • Für ein Investment finde ich das Risiko eines Totalausfalls immer noch zu hoch. Klar wird sich Blockchain und digital currency immer mehr durchsetzen, aber ob am Ende Bitcoin, Ethereum, Burstcoin oder irgendwas ganz neues das Rennen macht und man dann aufs falsche Pferd gesetzt hat, ist noch nicht wirklich absehbar.

  5. Da man mit Bitcoins schon an vielen Stellen bezahlen kann sehe ich kein Problem darin, hier mit einer kleineren Summe investiert zu sein. Bitcoin erfüllt mehr und mehr das, wofür es geschaffen wurde. Sobald in Japan demnächst vielerorts Bitcoins akzeptiert werden, wird der Bedarf sicher nochmal ansteigen. Ich und meine Frau haben vor kurzen, als Lieferando Bitcoins als Zahlungsmittel eingeführt hat, sofort mal getestet und unsere Pizza bestellt. Geld war nach 5 Sekunden überwiesen. Alles top.
    Mining würde ich nicht mehr betreiben. Besser für eine Summe X die größten Cryptos einkaufen, in ein Wallet transferieren und für einige Jahre liegenlassen.

  6. Was mich noch interessieren würde…
    Wenn die Graka lustig vor sich hin mined, kann man dann noch halbwegs okay auf dem Desktop agieren oder hat man dann Verzögerungen?

    • Kommt drauf an was du machen willst. Filme gucken oder spielen geht nicht, weil die Grafikkarte ja schon gut ausgelastet ist mit dem Mining. Normales arbeiten, surfen, etc. ist aber nebenbei gar kein Problem.

  7. Hi,
    Sehr schöner Bericht. Es ist sehr interessant wie bekannt Bitcoin/Cryptowährungen allgemein geworden sind.
    Ich arbeite bei Kraken und kann dir garantieren, dass du nur Tier 2 brauchst um Bitcoins ein- und Euros auszuzahlen, auch als deutscher. Nur fürs Einzahlen von Euros bräuchtest du Tier 3, aber das scheinst du a gar nicht zu wollen.
    Ich würde dir Gerne $50 USD in ‚Kraken Trading Fee Credits‘ anbieten. Das ist sozusagen Handelsgebührenguthaben, welches zunächst ausgezehrt wird bevor zu Gebühren zahlen musst.
    Wenn du dich also von uns überzeugen möchtest, dann sag bescheid und ich veranlassen die Gutschrift. Die 16-Stellige Kraken public ID kannst du auch öffentlich posten (steht auch so im Kraken Profil) , du darfst mich aber auch gerne direkt kontaktieren.

    Grüße
    Mario

  8. Hey super Bericht.

    Interessant ist natürlich sowieso auch das Cloud Mining. Wer selber minen möchte mit seinem Equipment kann dies natürlich auch auf sehr einfachem Weg mittels Tools machen. Man mined dort dann Bitcoin, Ethereum und Co. in wenigen Minuten selber im Pool. Ohne das man dazu wirkliche IT-Kenntnisse benötigt. Teilweise lohnen sich auch CPU-Miner, wenn man nicht die Mördergraka besitzt.

    Hier ein nettes Tutorial zum Minen:
    http://bitcoins-minen.com/selber-minen-tutorial-54

    Viele Grüsse und Danke für den coolen Artikel
    Tim

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