Sparen fürs Alter muss man sich leisten können

Sparen fürs Alter muss man sich leisten können

Beim Wirtschaftswaisen bin ich auf die Nachricht gestoßen, dass angeblich fast die Hälfte der Deutschen nicht (mehr) fürs Alter vorsorgt. Passend zum Weltspartag hat der Sparkassen- und Giroverband hierzu eine Studie veröffentlicht, nach der 40 Prozent aller Deutschen monatlich nichts für die Altersvorsorge zurücklegen. 2013 lag der Anteil noch bei 32 Prozent. Nun halten das sowohl die Sparkassen als auch der Wirtschaftswaise für eine fatale Entwicklung, mit dem Subtext „Wie kann man nur so blauäugig sein, nichts fürs Alter zurückzulegen“. Kann man so sehen, allerdings lässt diese Betrachtung außer acht, dass es für immer mehr Deutsche schlicht nicht möglich ist, fürs Alter vorzusorgen – und darüber hinaus auch nicht sinnvoll.

 Am Minimum

Sparen fürs Alter muss man sich leisten können. Wenn ich mir anschaue, wie in den letzten Jahren das Lohnniveau in vielen Branchen erodiert ist, ist es kein Wunder, dass die Altersvorsorge immer weiter zurückgeht. Selbst der Mindestlohn von 8,50 EUR pro Stunde war ja hochumstritten, weil er angeblich Arbeit viel zu teuer machen würde, und er wird in vielen Branchen immer noch unterschritten. Ein Vollzeitjob mit Mindestlohn bringt ca. 1.400 EUR brutto im Monat ein, damit komme ich vielleicht als Single noch über die Runden, eine Familie kann ich davon kaum ernähren, geschweige denn große Ersparnisse anhäufen. Und selbst wenn ich das könnte, weil ich extrem sparsam lebe, nützt es mir nichts. Denn auf diesem Lohnniveau bekomme ich später nur eine minimale staatliche Rente und falle vermutlich in die Grundsicherung. Und damit werden dann all meine Ersparnisse im Alter nutzlos, weil sie gegen eben diese Grundsicherung angerechnet werden. Das ist ja auch der Grund, warum Riestern sich für Geringverdiener nicht lohnt, obwohl gerade bei Geringverdienern die staatliche Förderung hier prozentual deutlich ins Gewicht fällt.

Riester verprassen

Mal etwas milchmädchenhaft zugespitzt: Wenn die Grundsicherung 900 Euro beträgt und ich 600 EUR staatliche Rente plus 200 EUR Riesterrente bekomme, zahlt mir der Staat 100 EUR Grundsicherung dazu, denn ich brauche ja insgesamt 900 EUR als Existenzminimum. Hätte ich nicht geriestert sondern die Beiträge lieber verprasst, würden die 200 EUR Riesterrente im Alter wegfallen, aber vollständig vom Staat ausgeglichen, denn ich muss in Summe ja trotzdem auf meine 900 EUR Grundsicherung kommen. Wem das zu vereinfacht war: der Finanzkoch hat das etwas detaillierter nachgerechnet.

Was in der Finanzblogger-Szene oft außer acht gelassen wird: Man muss zwar kein Spitzenverdiener sein, um den Traum von finanzieller Unabhängigkeit zu träumen. Aber ein gewisses Mindesteinkommen muss schon da sein, um sich sinnvoll Gedanken über Aktien, Indexfonds und Altersvorsorge zu machen.

9 Gedanken zu “Sparen fürs Alter muss man sich leisten können

  1. Ich finde deinen Artikel super.
    Besonders bei Geringverdienern und Alleinerziehenden ist es ziemlich schwierig mit dem Sparen. Wenn etwas gespart werden kann, dann geht dies schnell für einen neue Waschmaschine/ Herd, Kinder oder anderweitige WICHTIGE Anschaffungen drauf.

  2. Hallo Teilzeitinvestor,

    Natürlich ist es schwierig bei niedrigem Einkommen Vermögen aufzubauen. Die finanzielle Freiheit zu erlangen ist mit Mindestlohn wohl nicht möglich. Ich denke allerdings nicht, dass man mit Mindestlohn gar nicht sparen sollte. Ein finanzielles Polster kann man trotzdem aufbauen. Es reichen ja schon 25 oder 30 Euro im Monat um über 40 Jahre einen mittleren fünfstelligen Betrag anzuhäufen. Das hilft schon mal enorm weiter. Viel wichtiger aber ist, dass du ja nicht weißt, ob Du immer zum Mindestlohn arbeiten wirst. Wenn es dann doch mal mehr geben sollte, oder der/die Partner/in mitarbeitet, dann wird es doch für eine gesetzliche Rente über der Grundsicherung reichen. Sich von vornherein mit der Grundsicherung zufriedenzugeben bedeutet schon frühzeitig den Kopf in den Sand zu stecken und sein Schicksal in andere Hände geben. Ein glückliches, selbstbestimmtes Leben sieht anders aus.

    Bei der Riesterrente gebe ich Dir völlig recht. Die ist schwachsinnig, auch für Geringverdiener.

    VG, Nico

  3. Stimmt, ein Finanzpolster sollte man auch als Geringverdiener anstreben, und sei es nur, um bei der sprichwörtlichen kaputten Waschmaschine nicht gleich ins schwimmen zu geraten.

  4. Hallo Teilzeitinvestor,
    Du hast recht, wo nichts ist, kann nichts gespart werden.
    Mein Widerspruch gilt diesem Satz:

    „Hätte ich nicht geriestert sondern die Beiträge lieber verprasst, würden die 200 EUR Riesterrente im Alter wegfallen, aber vollständig vom Staat ausgeglichen, denn ich muss in Summe ja trotzdem auf meine 900 EUR Grundsicherung kommen.“

    Warum muss diese Summe vom Staat ausgeglichen werden? Das ist doch kein Naturgesetz wie der Ausgleich des Wasserstandes in zwei kommunizierenden Röhren, sondern eine vom Menschen gemachte Regelung.
    Die kann jederzeit kassiert werden.
    Was als Grundsicherung gilt und wie hoch diese sein soll, kann jederzeit politisch neu verhandelt werden.
    Du hast recht, wenn die Grundsicherung auf 600 Euro angesenkt wird und mein Vermögen darauf angerechnet wird, habe ich wieder nichts gewonnen.
    Trotzdem halte ich es für äußerst gefährlich sich vollkommen auf die Sicherungssyteme des Staates zu verlassen.
    Eigenes Einkommen / Vermögen zu haben – und sei es noch so klein – mit dem man selbstbestimmt umgehen kann, ist für mich unabdingbar.
    Schon aus Gründen der Würde. Ein erwachsener Mensch, der vollkommen abhängig ist von staatlicher Alimente. Für mich kein schönes Schicksal.

    Gruß
    Finanzwesir

    • Der Rat, die Altersvorsorge einfach zu verprassen ist zugegebenermaßen etwas provokant. Natürlich sollte man mit Anfang zwanzig nicht schon darauf spekulieren, im Alter mal unter die Grundsicherung zu fallen – das wäre schon eine sehr traurige Lebensperspektive. Nur finde ich es etwas zynisch sich darüber zu mokieren, dass Geringverdiener zu wenig für die Altersvorsorge tun, wenn ihnen – nach jetziger Gesetzeslage – die Altervorsorge eh nichts bringt.

      Was die Grundsicherung als „Naturgesetz“ angeht: Hier ist durch das Grundgesetz schon eine recht eindeutige Untergrenze definiert mit dem Existenzminimum, das jedem zusteht. Dieses Minimum kann man sicher recht kreativ nach oben oder unten rechnen, aber nach unten hin ist da irgendwann eine Grenze, ab der es verfassungswidrig wird (es gibt ja Stimmen die behaupten, dass diese Grenze jetzt schon unterschritten wird). Aber klar kann viel passieren, und die von dir gern zitierten Schwarzen Schwäne können auch dafür sorgen, dass selbst grundgesetzlich verbriefte Rechte nichts mehr wert sind.

  5. Eine Ergänzung zu Finanzwesir Kommentar: Da es immer mehr Leute zu scheinen gibt (Foren, Kommentare zu Rententhemen auf Nachrichtenseiten), die bewusst nichts sparen und sich auf die Grundsicherung verlassen wollen: nicht mehr finanzierbar, nicht mehr in dieser Höhe finanzierbar oder bloß jahrelange Anpassungen unterhalb der Inflationsrate – all das kann mit der heutigen Grundsicherung passieren. Mal von der Frage abgesehen, ob ein Lebensabend in Höhe der Grundsicherung erstrebenswert ist. Da ich mich nicht auf den Staat verlassen möchte, sorge ich lieber zusätzlich privat vor. 🙂

  6. Ich stimme dem Teilzeitinvestor völlig zu, dass es schwieriger wird, Geld zurückzulegen je geringer das Einkommen ist. Ganz abgesehen davon, dass Menschen in der Nähe des Existenzminimums wahrlich andere Sorgen haben, als den für Sie passenden ETF zu finden…

    Hinzu kommt, dass bei Menschen mit geringem Einkommen oft auch eine eher geringe Bildung anzutreffen ist (weshalb sie ein geringes Einkommen haben). Es ist also leider eher unwahrscheinlich, dass sich der genannte Personenkreis Gedanken über die Themen Vermögensbildung und Altersvorsorge macht.

    Was an der Studie wirklich erschreckend ist: die 40% bedeuten doch, dass da ganz viele Normalverdiener und Leute wie du und ich bei sind, die eben nicht sparen oder sich Gedanken machen, obwohl sie es könnten.

  7. Ich tue mich bei Aussagen wie „ein bisschen was im Monat sollte jeder sparen können“ etwas schwer. Machbar ist alles, aber ein ganzes Leben voller Einschränkungen ist nicht wirklich schön. Ich kenne das selbst noch aus meiner Kindheit, dass man sich 2x überlegt, ob man mit Freunden ins Kino geht oder ob man wirklich mehr als 2 Hosen braucht. Hinzukommt, dass es im Erwachsenenalter schwer ist, schlechte Angewohnheiten loszuwerden. Ich habe zwar nun kein großes Mitleid mit jungen Männern, die rauchen und ein dickes Auto fahren (aber ihre Miete nicht zahlen können), aber oft haben es die Leute nicht besser gelernt. Weiterer Klassiker: Man investiert in eine kapitalbildende Lebensversicherung, um sie sich dann bei einem Engpass zurückkaufen zu müssen. Fürs Alter vorzusorgen macht keinen Sinn, wenn man nicht mal das Konto in den positiven Bereich bekommt. Zum Thema Anrechnung passiver Einnahmen auf die Grundsicherung: Aktuell ist das nur Spekulation. Wer dem Staat nichts schenken will, kann auch kurz vor der Rente noch mal drüber nachdenken, seine Ersparnisse auf den Kopf zu hauen (oder in eine Wohnung zu investieren). Aktuell spare ich auf gut Glück und denke mir: Wer weiß, ob ich das Rentenalter überhaupt erreiche. Vielleicht ergibt sich auch vorher eine Situation, wo mir mein Erspartes hilft und sei es nur, um es meinen Hinterbliebenen zu vererben.

  8. Hallo Teilzeitinvestor,

    >“Der Rat, die Altersvorsorge einfach zu verprassen ist zugegebenermaßen etwas provokant.“

    Das ist schon ok, sonst macht das Blogen ja auch nur halb so viel Spaß 😉

    Aber – wenn man die Kommentare der anderen mit einbezieht – läuft es mal wieder auf den Klassiker heraus: Finanzielle Bildung. Wo nichts ist, werden haarsträubende Fehler gemacht. Nicht, weil die Leute blöd sind, sondern weil sie es nicht besser wissen.
    Deshalb finde ich die ganzen Blogs zum Thema „private Finanzen“ so wichtig. Es doch eine Menge Leute, die das nicht mehr so hinnehmen wollen und versuchen, sich auf eigene Faust schlau zu machen.
    Denen sind wir Finanz-Blogger eine große Hilfe. Zumindest entnehme ich das den Leserbriefen, die mich erreichen.

    Gruß
    Finanzwesir

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