Kauf: Walgreens Boots Alliance

Wertpapier Kauf

Nachdem die Achterbahnfahrt mit meinem letzten Aktienkauf CVS Health munter weitergeht, hab ich mir jetzt mal ein anderes fallendes Messer ausgesucht, um beherzt reinzugreifen: CVS Konkurrent Walgreens Boots Alliance habe ich schon länger auf der Watchlist. Nach dem gestrigen allgemeinen Kurseinbruch hab ich jetzt endlich mal zum vermeintlichen Schnäppchenpreis zugegriffen.

Walgreens ist wie CVS eine der großen US-amerikanischen Drogerie- und Apothekenketten. Eine Filiale der beiden findet man in den USA an jeder Straßenkreuzung, und neben Aspirin und Voltaren bekommt man dort auch Cola, Eiscreme oder Cornflakes, die beiden Ketten erfüllen in vielen Gegenden auch gleichzeitig die Funktion eines Tante-Emma-Ladens Nahversorgers.

CVS hat sein Geschäftsmodell in den letzten Jahren allerdings stark ausgeweitet, die Drogeriemärkte sind nur noch ein Standbein, mittlerweile strebt man eine vertikale Integration an, vom Krankenversicherer über Wohnheimbetreiber bis zum Dialyseanbieter. Walgreens ist da eher konservativ unterwegs, das Kerngeschäft sind nach wie vor die Fillialen. Anders als CVS ist Walgreens aber nicht nur in den USA tätig, sondern hat unter der Marke Boots auch international hunderte von Filialen, vor allem in UK und China. Das UK Geschäft macht aber nur einen kleinen Teil des Umsatzes aus, so dass das bevorstehende Brexit-Chaos Walgreens zwar nicht kalt lassen wird, aber das Kerngeschäft nicht existenziell bedroht.

Heute ein König

Dieses Geschäft läuft seit Jahrzehnten sehr profitabel, weshalb man auch bereits seit über 40 Jahren jährlich die Dividende erhöht hat. Walgreens ist damit ein sogenannter Dividendenaristokrat, und sogar kurz vor der Schwelle, in den erlauchten Kreis der Dividenenkönige aufgenommen zu werden. Die Dividendenrendite liegt (nicht zuletzt durch den zurückgegangenen Kurs) mittlerweile bei über drei Prozent. Da Walgreens weniger als ein Drittel des Gewinns ausschüttet, ist für eine kontinuierliche Dividendenzahlung und -erhöhung auch bei stagnierendem Wachstum genug Luft.

Aber warum sieht der Kurschart von Walgreens so katastrophal aus? Während es bei CVS sehr handfeste Gründe für den momentanen Absturz gibt – man musste viel Geld auf die Akquisiton des Wohnheimbetreibers Omincare abschreiben, und die jüngste Übernahme des Versicherers Aetna birgt auch nicht ganz unwesentliche Riskiken – ist der Kursrückgang bei Walgreens nicht ganz so nachvollziehbar. Das Geschäft läuft eigentlich rund. Das zweite Quartal in diesem Jahr war zwar durchwachsen (und führte zu einem fast dreizehnprozentigen Kurssturz), das darauf folgende Q3 übertraf aber die Erwartungen der Analysten in bezug auf Umsatz und Gewinn.

Gibts da auch was von Ratiopharm Amazon?

Allerdings ist der „Elephant in the Room“ bei beiden Firmen der Markteintritt von Amazon. Der E-Commerce-Gigant drängt mit Macht ins Healthcare-Geschäft: Amazon hat vor einiger Zeit den Pillenversender PillPack übernommen, und gemeinsam mit Berkshire Hathaway das Gesundheits-Startup „Haven“ gegründet. Bislang hat das noch keine relevanten Auswirkungen auf das Geschäft von CVS und Walgreens, aber Pessimisten befürchten, dass Amazon hier ähnlich wüten wird wie im Buchhandel, und alle bestehenden Anbieter vom Markt fegen wird. Ich sehe da durchaus auch eine Gefahr, aber ganz so einfach wie Bücher verkaufen ist das Pharma-Retailgeschäft nicht, hier gibt es schon so einige Hürden in bezug auf Compliance und Regulierung zu überwinden, und sowohl CVS als auch Walgreens haben durchaus ein paar Trümpfe in der Hand.

Das große Ganze

Mindestens ebenso wichtig für den Kurs von Walgreens ist aber die Entwicklung des Gesamtmarktes. Ich habe seit über eineinhalb Jahren keine neuen Aktien mehr gekauft (vom ETF-Sparplan mal abgesehen), weil mir die Bewertungen, vor allem in den USA, insgesamt viel zu heiß gelaufen sind, und ein größerer marktbreiter Einbruch der Aktienkurse einfach irgendwann kommen muss. Vor allem wo sich dank drohendem No-Deal-Brexit, Trumps schwelendem Handelskrieg mit China und der EU und der Krise am Golf die weltwirtschaftliche Situation immer mehr vedüstert.

Dass ich jetzt doch bei Walgreens zugegriffen habe liegt v.a. daran, dass Walgreens bereits seinen Crash hinter sich hatte. Der Kurs hat sich seit den Höchstständen von 2015 fast halbiert und ist, gemessen an KGV und anderen Bewertungsgrößen auf historisch eher niedrigem Niveau angelangt. Was leider keine Garantie gegen einen weiteren Absturz ist, denn wenn der Markt erstmal ins Rutschen gerät, bleibt erfahrungsgemäß kaum ein Unternehmen verschont. Meine Hoffnung ist, dass in diesem Fall zumindest die Dividende stabil bleibt, so wie es Walgreens in der letzten Finanzkrise geschafft hat.

Das Dividenden-Füllhorn von Rio Tinto

Rio Tinto gehört zu den größten Dividendenzahlern in meinem Portfolio. Allerdings zeigt das Unternehmen auch, wie risikoreich das Investieren in Hochdividendentitel sein kann.

Als ich 2015 die ersten Anteile gekauft habe, lag die Dividendenrendite bei über fünf Prozent, und das Unternehmen versprach, weiterhin eine „progressive dividend policy“ zu verfolgen, also die Dividenden  kontinuierlich zu erhöhen. Das klang zu gut, um wahr zu sein. Und leider war es das auch. Nach einem katastrophalen Jahr hatte Rio Tinto 2016 die Dividende drastisch gekürzt und sich von dem Versprechen einer kontinuierlichen Erhöhung verabschiedet. Der Kurs hatte sich in der Zwischenzeit fast halbiert.

Glücklicherweise hab ich damals nicht das Handtuch geworfen, sondern im Gegenteil nochmal nachgekauft, da ich vom fundamentalen Wert des Unternehmens weiterhin überzeugt war. Und siehe da, nicht nur der Kurs hat sich wieder deutlich erholt, auch die Dividende ist kräftig gestiegen. Dieses Jahr gibt es neben der „üblichen“ Dividende noch eine Sonderzahlung an die Aktionäre durch den Verkauf einiger Minen. Was insgesamt zu sagenhaften 12 Prozent Ausschüttungsrendite auf meinen Einstandspreis führt. Allerdings vor Steuern, nach Steuern sind es 9 Prozent. Und gerechnet auf den heutigen, deutlich höheren Aktienkurs liegt die Ausschüttung bei immer noch respektablen 6,9 Prozent.

Linke Tasche rechte Tasche

Nun ist die Ausschüttung von Gewinnen, und insbesondere die Ausschüttung durch den Verkauf von Firmenwerten eigentlich ein Nullsummenspiel: Der Aktionär erhält zwar Geld ausgezahlt, dafür ist der Wert des Unternehmens um genau diesen Betrag gesunken. Gerade die verkauften Minen werden zukünftig ja nicht mehr zum Gewinn des Unternehmens beitragen.

Und genau das ist auch passiert: Am ex dividend Tag Anfang März, also dem Stichtag für die Dividendenausschüttung, ist der Aktienkurs von Rio um über neun Prozent abgestürzt. Aber siehe da, keine sechs Wochen später hat der Kurs sich nicht nur erholt, sondern den Stand vor Dividendenabzug sogar deutlich überschritten. Linke Dividendentasche und rechte Unternehmenswerttasche beide prall gefüllt, so kann das gerne weitergehen.

Kursverlauf Rio Tinto plc

 

Deutsche Bank vs. Bier: Was ist die bessere Kapitalanlage?

Faszinierend: Wer vor fünf Jahren 1.000 Euro in die Deutsche Bank investiert hat, besitzt jetzt nur noch Aktien im Wert von 237 Euro. Hätte man stattdessen für das gleiche Geld Bier gekauft, hätte man die letzten Jahre jeden Monat über eine Kiste trinken können und immer noch 239 Euro an Pfandgeld übrig. Und damit sogar mehr in der Tasche als der Deutsche-Bank Aktionär.

Zum Nachrechnen:

deutsche bank logo

Deutsche Bank:
Xetra-Schlusskurs am 15.01.2014: 33,99 Euro – für 1.000 Euro gab es damals 29,42 Aktien
Xetra-Schlusskurs am 04.12.2018: 8,06 Euro – die 29,42 Aktien sind nur noch 237,13 Euro wert.

Bier:
70 Kisten Bier à 10,90 Euro (üblicher Angebotspreis im Supermarkt, da muss man noch nicht mal zu Oettinger greifen), plus 3,42 Euro Pfand pro Kiste, macht zusammen 1002,40 Euro
Am Ende übrig: 70 Kisten Leergut à 3,42 Euro, macht 239,40 Euro Pfandgeld.

Der Fairness halber: in diesem Zeitraum wurde insgesamt rund ein Euro pro Aktie an Dividende ausgeschüttet, damit läge der DB-Aktionär im Vergleich zum Leergutsammler ganz leicht im Plus, und hätte auch vermutlich nicht so einen großen Bierbauch…

Wenn man sich die Kursdaten auf der Website der deutschen Börse anschaut, ist der Kursverlust sogar noch dramatischer, denn hier stand die Aktie im Januar 2014 noch bei fast 40 Euro. Allerdings gab es 2014 und 2017 Kapitalerhöhungen bei der Deutschen Bank, bei denen die Altaktionäre jeweils ein geldwertes Bezugsrecht bekamen. In den Kursdaten z.b. bei der Comdirect sind diese Kapitalerhöhungen als „Aktiensplit“ in die Kurse eingerechnet, was den Kursverfall etwas abmildert.

Der Witz mit Bier und Deutscher Bank ist übrigens schon ein wenig älter, lässt sich aber erschreckenderweise immer wieder recyclen. Denn das ganze hat auch schon 2008 nach der Lehman Pleite funktioniert, damals war das Biertrinken noch etwas lukrativer:

Die Deutsche Bank Aktie war innerhalb von nur eineinhalb Jahren von 114 auf knapp 26 Euro abgestürzt. Damals hätte das Geld in Bier investiert sogar jede Woche für eine Kiste Bier gereicht, und am Ende wäre mehr Geld in Pfand übrig geblieben als bei einer Investition in Deutsche Bank Aktien.

Verkauf: Conduent

Der dritte Teil meines Stop Loss Experiments: Nach Lufthansa und Highlight ist auch bei Conduent die Reißleine gezogen worden.

Conduent habe ich selber gar nicht gekauft, und ich weiss bis heute nicht so genau, was der Laden eigentlich macht. Die Aktien habe ich vor zwei Jahren als Anteilseigner von Xerox bekommen. Der Druckerhersteller hatte sein „Business Process Outsourcing“ Geschäft abgespalten und als Conduent an die Börse gebracht. Alle Xerox-Investoren haben entsprechend Aktien vom neuen Unternehmen bekommen. Diese Aktien durfte ich dann auch noch versteuern, weil man jetzt ja statt einer ganze Torte zwei Stück Torte hat, was aus Sicht des Finanzamtes ein geldwerter Vorteil ist.

Anyway, die gute Nachricht ist, dass sich Conduent an der Börse ganz ok entwickelt hat: Von anfangs knapp 13 Euro stieg der Kurs in der Spitze auf 20 Euro. Allerdings war meine Position auch mit gestiegenem Kurs noch ziemlich mickrig, so dass ich Conduent mit einem trailing stop loss auf die „Zu Verkaufen“ Liste gesetzt habe, um mein Depot mittelfristig etwas aufzuräumen.

Diesmal hat das mit dem nachziehenden Stop Loss sogar halbwegs funktioniert: Im August stand der Kurs bei 18,26 Euro, den Stop Loss habe ich mit gebührendem Abstand auf 16,49 Euro gesetzt, damit er nicht sofort bei einer kleinen Tagesschwankung ausgelöst wird.

Conduent legte die nächsten Wochen kontinuierlich zu, und der Stop Loss zog nach. Anfang Oktober gings dann aber im allgemeinen Strudel wieder deutlich runter und der Stop Loss hat bei 18,31 Euro ausgelöst.

Im Vergleich zum direkten Verkauf habe ich mit dem Stop Loss also sensationelle fünf Cent pro Aktie mehr verdient. In Summe hat mir das sage und schreibe 1,50 Euro mehr eingebracht.

Der geneigte Leser kann jetzt per einfachem Dreisatz den Gesamtwert meiner Conduent-Aktien erschließen  – und mit etwas Recherche sogar die Größe meiner Xerox-Position ermitteln. Mit letzterer liege ich übrigens nach 19 Jahren Haltedauer immer noch satt im Minus. Da sage nochmal jemand dass langfristiges Halten von Aktien sich am Ende immer auszahlt.

Verkauf: Highlight Communications

Und weiter gehts im fröhlichen Ausverkauf des Teilzeitinvestor-Depots: Nach Lufthansa ist auch bei Highlight Communications der Stop Loss gerissen worden. Wie schon mit Lufthansa hat auch Highlight in den letzten zehn „buy-and-hold“ Jahren einiges an Achterbahnfahrt für mich im Angebot gehabt.

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Verkauf: Lufthansa

Huch, steht hier nicht immer was von Buy-and-Hold? Und jetzt verkauft der Teilzeitinvestor auf einmal seine Aktien? Nun, das ist die erste Konsequenz meines letzten Artikels, in dem es unter anderem um Stop Loss Kurse ging. Ich hatte für einige Aktien im Depot, bei denen ich fundamental nicht mehr so richtig überzeugt war, einen trailing stop loss gesetzt. Dieser wurde bei Lufthansa jetzt gerissen und die Aktien sind aus meinem Depot ..äh… geflogen*.

Lufthansa ist ein gutes Beispiel dafür, wie es einem Buy-and-Hold Investor auf lange Sicht ergehen kann.

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Buy and Hold bis in alle Ewigkeit?

Ich bin ja eigentlich ein Verfechter des bedingungslosen Buy and Hold. Es hat einige Jahre, viel Indoktrination von Finanzwesir, Tim Schäfer & Co., sowie schmerzhafte Erfahrung mit (oft zu frühem) Verkauf von Aktien gebraucht, um zu dieser Erkenntnis zu kommen.

Aber heißt Buy and Hold tatsächlich, niemals nie zu verkaufen, egal was passiert? Ein paar Entwicklungen lassen mich gerade daran zweifeln:

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