Heißer Investmenttip aus dem Handelsblatt: Nur an lukrativen Tagen investiert sein

Aus der beliebten Reihe „Heiße Investmenttips aus der Fachpresse“ heute ein Beitrag aus dem Handelsblatt. Unter den meisten Finanzbloggern hat sich mittlerweile herumgesprochen, dass buy and hold die einzig richtige Strategie ist. Also Aktien lange halten und nicht ständig kaufen und verkaufen, denn „Hin- und Her macht Taschen leer“. Market Timing, also das gezielte Kaufen zu Tiefstkursen, und das Verkaufen bei Höchstständen, bekommt statistisch gesehen sowieso niemand dauerhaft erfolgreich hin, wie man auch hier im Blog immer wieder um die Ohren geschlagen bekommt.

Soweit so richtig? Nein, alles falsch. Das Handelsblatt hat herausgefunden, dass es nur wenige lukrative Tage an der Börse gibt, und man als Anleger daher auch nur an diesen Tagen investiert sein sollte . Den Rest des Jahres dann lieber alles aufs Festgeldkonto packen. Der Artikel ist Gott sei Dank leider hinter einer Paywall versteckt.

Das sahnige Geheimnis

Aber woran erkennt man nun diese lukrativen Tage, um seine Orders abzusetzen? Ganz einfach: Ein Professor der Frankfurt School of Finance hat exklusiv für das Blatt entdeckt, dass die Aktien fast immer bei geldpolitischen Entscheidungen der US Notenbank Fed steigen. Die Renditen an diesen Handelstagen sind deutlich höher als an den restlichen Tagen. Statistisch gesehen betrage die Rendite von US Aktien an Veröffentlichungstagen aufs Jahr hochgerechnet über 29 Prozent, während der Schnitt aller Handelstage unter 6 Prozent liege. Das ganze sei auch kein kurzfristiger Trend, sondern statistisch seit den sechziger Jahren bis heute belegbar. Von diesen Veröffentlichungstagen gibt es rund zwanzig im Jahr. Netterweise kommuniziert die Fed diese Events schon im voraus, so dass man bequem im Onlinebanking einen Tag Veröffentlichung zuschlagen kann, und dann einige Tage später wieder verkauft, um nur die renditestarken Tage im Jahr mitzunehmen.

Ach, so einfach ist das also.

Glaubt ihr nicht? Nun, der nächste Veröffentlichungstermin ist für den 2. November angesetzt, einfach mal am 1. November einen S&P 500 Indexfonds kaufen und gucken was passiert. Ich in schon sehr gespannt…

Jetzt neu und nur für kurze Zeit

Was mich nur etwas stutzig macht: Dieser statistische Effekt an den Veröffentlichungstagen ist so ganz brandneu wohl doch nicht. Er ist unter dem hübschen Namen Pre FMOC Announcement Drift seit einigen Jahren bekannt und publiziert. Und jeder, der den Kommer gelesen hat weiss, dass es keine dauerhaft ausbeutbaren Marktanomalien geben kann. Erst recht nicht, wenn diese Anomalien allgemein bekannt sind. Denn dann würden sich die Marktteilnehmer entsprechend darauf einstellen und den Effekt zunichte machen.

Fairerweise muss man sagen, dass der Handelsblatt-Artikel das Problem selber anspricht: Das Profitieren von diesem Effekt sei für Kleinanleger eher schwierig, und man solle doch lieber langfristig anlegen statt Trends hinterherzurennen. Allerdings kommt diese weise Erkenntnis erst ganz am Ende des Artikels, nachdem man mit der reißerischen Überschrift erstmal ausreichend Leser geködert hat..

Nützt alles nichts: Ein Wertpapiersparplan muss her

Wertpapiersparplan

So sehr ich hier auch immer wieder predige, dass market timing nicht funktioniert und eine schlichte passive Anlage in Indexfonds rational das richtige wäre, so schwer tue ich mich damit, das ganze selber konsequent umzusetzen. Die richtigen Indexfonds habe ich schon vor langer Zeit ausgewählt, und auch durchaus die eine oder andere Position aufgebaut. Aber vor jedem Kauf hadere ich damit, ob nicht jetzt gerade ein besonder schlechter Zeitpunkt zum Kauf sei, weil die Kursstände kurz vor oder auf dem Allzeithoch sind und der Crash unmittelbar bevorsteht. Ab und zu hab ich mit der Einschätzung ja auch mal halb recht, schließlich ist der DAX von seinen Höchstständen zwischenzeitlich schon mal wieder 3.000 Punkte zurückgekommen. Aber dann geht es auch wieder aufwärts, und die alte Regel „time in the market beats timing the market“ greift, wenn man feststellt, das schon wieder ein Jahr um ist, in dem man statt drei bis vier Prozent Dividendenrendite nur 0,8 Prozent aufs Festgeld bekommen hat.

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Das Daytrading-Experiment

Daytrading ist so ziemlich das genaue Gegenteil der buy-and-hold Strategie, die hier im Blog immer postuliert wird: Der Daytrader spekuliert nicht auf Dividendenzahlungen oder langfristige Gewinne, sondern will vom minütlichen Auf und Ab der Kurse profitieren. Er kauft und verkauft den Tag über und stellt bis Börsenschluss alle Positionen wieder glatt, so dass es am nächsten Morgen wieder von vorne losgehen kann.

Was soll das?

Wie wir alle wissen, funktioniert Daytrading nicht. Statistische Untersuchungen belegen regelmäßig, dass über achzig Prozent aller Daytrader auf lange Sicht Verluste machen. Das erscheint auch logisch: Nach der Random Walk Theorie bewegen sich Aktienmärkte im Tagesverlauf absolut zufällig und können nicht vorhergesagt werden. Daraus folgt vereinfacht, dass ich mit mit jedem Trade (Kauf/Verkauf) eine fünfzigprozentige Wahrscheinlichkeit habe, Gewinn zu machen. Unterm Strich müssten Daytrader also bei einer schwarzen Null rauskommen, weil die Hälfte der Transaktionen einen Gewinn bringt, und die andere Hälfte Verluste verursacht.

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Das perfekte Market Timing

Bei der Achterbahnfahrt der Börsen in den letzten Wochen ist es umso verlockender, den perfekten Kauf- oder Verkaufszeitpunkt zu erwischen, um von den starken Schwankungen auch richtig zu profitieren. Natürlich weiss man als Kommer-gestählter Investor, dass Market Timing nicht dauerhaft erfolgreich funktioniert. Aber was soll ich sagen: Ich hab’s einfach raus.

Der perfekte Tag

Wenn es rückblickend in den letzten Wochen einen perfekten Kaufzeitpunkt gab, war das am 11. Februar. Die Märkte waren seit einiger Zeit im Rückwärtsgang, von der Spitze hatte der Dax schon gut 20% verloren. Am Donnerstag letzter Woche schien dann regelrechte Panik auszubrechen und jeder nur noch verkaufen zu wollen. Die Märkte brachen flächendeckend nochmal kräftig ein. Panik gab es aber natürlich nur bei den anderen Markteilnehmern. Ich hingegen wusste, dass das jetzt genau der Tiefpunkt ist, zu dem man einsteigen muss und habe eiskalt eine Kauforder für den Stoxx Europe 600 ETF gegeben, um von der Marktpanik zu profitieren.

Und siehe da: ich hatte recht. Schon einen Tag später schossen die Märkte wieder nach oben. Jeden Tag ging es weiter aufwärts, bis heute hat der Stoxx Europe 600 vom Tiefpunkt fast zehn Prozent gutgemacht. Keine schlechte Rendite für eine knappe Woche, soviel kann man mit ehrlicher Arbeit in so kurzer Zeit nicht verdienen.

Handeln wie ein Profi

Um das Maximum an Gewinn zu erzielen, hatte ich noch einen weiteren Profitrick angewendet: Der Kurs stand beim Setzen der Kauforder bei 30,50 EUR, mein Limit habe ich aber auf 30,20 gesetzt, um von den untertägigen Kapriolen eines Panikmarktes zu profitieren und das Tagestief abzufischen. Das ist eine narrensichere Methode, die immer funktioniert, um nochmal ein paar Promille Extrarendite einzufahren. Und auch diesmal brach der Kurs im Tagesverlauf noch weiter ein: Auf auf 30,33 EUR …

Also, im Prinzip alles richtig gemacht, praktisch alles falsch, denn die Knauserigkeit von 13 Cent beim Kurslimit hat mich um knapp 3 EUR Kursgewinn pro Stück gebracht, weil die Kauforder natürlich nicht durchgeführt wurde.

Für einen Langfristinvestor ist so ein Feilschen um ein paar Cent beim Kauf noch sinnfreier, denn auf Sicht von zehn Jahren macht es vermutlich keinen relevanten Unterschied, weil der Markt bis dahin insgesamt deutlich höher stehen sollte. Mal sehen, ob sich diese Erkenntnis bei mir irgendwann mal durchsetzt, oder doch weiterhin der Nervenkitzel überwiegt, bei Kauforders nochmal ein Extraschnäppchen machen zu wollen. Man lernt ja nie aus…

Armageddon Investing: Welche Aktien profitieren vom Ende der Welt?

Bei immer neuen Aktien-Höchstständen und gleichzeitig permanenter Euro-Krise, Dollar-Schwemme und diversen Kriegen und Krisen weltweit, warten immer mehr Anleger darauf, dass der nächste große Crash die Börse in den Abgrund reisst.

Bücher wie „Der Crash kommt“ der „Der Crash ist die Lösung“ dominieren schon seit einiger Zeit die Bestsellerlisten. Wobei die wahren Crash-Propheten nicht von einer größeren Marktkorrektur oder einem längeren Bärenmarkt ausgehen, sondern von einer regelrechten Implosion des Geldsystems, mit Hyperinflation, weltweiter Wirtschaftskrise und Zusammenbruch ganzer Volkswirtschaften. Die Empfehlung ist fast immer dieselbe: Gold, Gold, und nochmals Gold – Papiergeld wird auf kurz oder lang nichts wert sein, also rein in die Krisenwährung schlechthin.

Wenn wir mal vom Mad Max Szenario absehen, bei dem die Zivilisation wie wir sie kennen aufhört zu existieren (in diesem Fall war die Mitgliedschaft im lokalen Schützenverein vermutlich die beste Investition in die Zukunft), bedeutet eine aufziehende Krise für den hartgesottenen Anleger vor allem eines: Investmentchancen.

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Der perfekte ETF für Nordamerika

Nach Europa und Emerging Markets geht es weiter mit der Suche nach dem perfekten Indexfonds für Aktien aus Nordamerika.

Was ist Amerika?

Die erste Frage die sich dabei stellt: Was versteht man unter Nordamerika: Nur die USA, oder auch Kanada, oder gar Mexiko? Es gibt eine Reihe von Indizes zur Auswahl, vom Dow Jones Industrial Average über den Standard & Poor’s 500 bis hin zum MSCI USA oder MSCI North America.

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Kaufen auf dem Allzeit-Hoch?

DAX, Dow Jones & Co. eilen von einem Rekordstand zum nächsten. War die Marke von 10.000 beim DAX bis vor wenigen Wochen noch eine scheinbar schwer zu nehmende Hürde, liegen wir mittlerweile schon locker 10% darüber. Ist es jetzt zu spät, noch einzusteigen, steht die Korrektur oder gar ein Crash unmittelbar bevor und sollte man lieber sein Pulver trocken halten? Oder geht die Party ungebremst weiter, und die Kursstände von heute werden rückblickend als perfekte Kaufmöglichkeiten erscheinen?

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