Number26: Wenn die Kreditkarte etwas zu transparent ist

Number26: Wenn die Kreditkarte etwas zu transparent ist

Ich bin ja seit einiger Zeit stolzer Besitzer einer Number26 Kreditkarte. Die Karte kommt nicht nur in schick halbtransparentem Design daher, sondern verspricht auch absolute Transparenz bei der Kartennutzung. Sobald man die Karte zum Bezahlen benutzt, ob im Internet, an der Tankstelle oder im Restaurant, erhält man „in Echtzeit“ eine Meldung auf seine Handy-App, dass eine Abbuchung erfolgt ist. Das klappt tatsächlich sehr gut: Kaum hat man bei Amazon auf den Kaufen-Knopf gedrückt oder im Supermarkt die Karte durchgezogen, erscheint auch schon die Abbuchungsinfo auf dem Handy.

Irritierend ist allerdings, was da so alles abgebucht wird.

Beispiel Post bzw. DHL: Man kauft ohne Argwohn eine schnöde Paketmarke zum Preis von 5,99 EUR und bezahlt bequem online mit der Kreditkarte. DHL selber bietet gar keine Kartenzahlung an sondern hat das Kartenhandling an Paypal abgegeben (Tatsächlich ist es noch etwas komplizierter: DHL bietet den Zahlservice „Postpay“ an, der wiederum auf Paypal zurückgreift). Paypal bucht also die 5,99 EUR von der Karte ab. Aber siehe da, man gönnt sich gleich noch eine zweite Abbuchung über 91 Cent (bzw. 1 Dollar)

paypal abbuchungDas Number26 Konto verrät nicht, woher dieses Zusatzgebühr kommt, und weder die DHL Seite noch die Paypal Website helfen spontan weiter. Eine Anfrage bei Paypal schafft nach ein paar Tagen Klarheit: die 1 Dollar Abbuchung sei eine Testbuchung, die bei noch nicht bekannten Kreditkarten einmalig nötig sei und zurückerstattet werden würde. Und siehe da, nach gut einer Woche erscheint auf dem Number26 Konto eine Gutschrift über 91 Cent von Paypal.

Kein Einzelfall

Nächster Fall: Eine Bestellung beim Online-Händler Gourmondo (man gönnt sich ja sonst nix). Bestellt wurden Leckereien im Wert von 32,90 EUR. Kaum ist die Bestellung abgeschickt, erscheinen wieder gleich zwei Abbuchungen auf der Kreditkarte: Eine 50 Cent Buchung, die uns nicht mehr weiter schreckt, weil das sicher wieder diese ominöse Testabbuchung sein wird. Dann allerdings eine Abbuchung von 42,90 EUR, also mal eben 10 EUR Zuschlag zur Bestellsumme. Hatte ich da irgendwo Versandgebühren oder Kreditkartenaufschläge beim Bestellen übersehen? Auch hier geben weder die Gourmondo-Seite noch die Kontoübersicht irgendwelche sinnvollen Antworten. Bei Gourmondo nachgefragt, heißt es, die 10 EUR Zuschlag seien „nur der vom Kreditinstitut für diese Bestellung genehmigte Betrag“, man solle sich mal keine Sorgen machen, das werde schon richtig verrechnet.

Die 50 Cent werden wie erwartet eine Woche später rückerstattet. Bei der 42.90 EUR Abbuchung passiert etwas merkwürdiges: Der Betrag ist auf einmal wie durch ein Wunder auf dem Kartenkonto verschwunden und stattdessen der korrekte Betrag von 32,90 EUR aufgeführt.

Hin und her

Als „normaler“ Kreditkartenkunde bekommt man diese Hin- und Herbuchungen in der Regel nicht mit. Es ist durchaus üblich, dass Firmen erstmal einen Betrag „zur Sicherheit“ abfragen, der dann später mit der tatsächlichen Rechnungssumme korrigiert wird. Wenn die monatliche Abrechnung kommt, sind die diversen Test- und Korrekturbuchungen alle schon miteinander verrechnet und alles ist gut. Bei Number26 bekommt man diese Buchungsarie jedoch in Echtzeit mit, und es irritiert schon ein wenig, gerade für Summe X etwas eingekauft zu haben und eine Abbuchungsinformation über Summe Y zu bekommen.

Ich bin mir noch nicht sicher, ob diese volle Transparenz bei Number26 eher ein Vor- oder ein Nachteil ist: Tatsächlich ist es schon interessant zu sehen, wer da alles unauthorisiert auf der Kreditkarte rumbucht. Auf der anderen Seite habe ich bislang noch nie eine wirkliche Fehlbuchung festgestellt, insofern ist das alles viel Aufregung um nichts und im Zweifel wäre hier ignorance vermutlich mal wieder bliss.

8 Gedanken zu “Number26: Wenn die Kreditkarte etwas zu transparent ist”

  1. Wow, mir war nicht bewusst was da so im Hintergrund alles passiert. Einerseits durchaus interessant, das alles mal mitzubekommen, andererseits führt das ganze zu unnötigen Aufwand, wenn man als Konsument seine Kontobewegungen prüfen will. Mir würde es schwerfallen das einfach zu ignorieren. Vielleicht baut Number26 in Zukunft eine Funktionalität ein, der diese „Luftbuchungen“ rausfiltert. Grundsätzlich macht das Girokonto einen guten Eindruck. Ich warte noch auf die geplante Girocard (EC Karte). Laut Number26 soll diese ja mit der Kreditkarte in eine einzige Karte integriert werden. Ich bin gespannt, wie das gelöst wird.

  2. Hast Du dich für das Modell „de Maizière“ entschieden? => Teile meiner Buchungen werden sie verunsichern 😉

    Gruß
    Finanzwesir

  3. Wird die Nerverei mit den Testbuchungen denn nach einiger Zeit weniger oder hält das an? Und nutzt Du number26 mittlerweile als Hauptkonto, seit man zusätzlich eine Maestro-Karte (wenn auch keine Girocard) bekommt?

    • Das hält an, aber man gewöhnt sich dran (und es ist bislang in keinem Fall dauerhaft etwas zuviel abgebucht worden). Mein Hauptkonto hab ich weiterhin bei der DKB, da bin ich seit Jahren sehr zufriedener Kunde und werde daher auch nicht so schnell wechseln.

  4. Danke für deinen Artikel. Bin über Google hier gelandet, weil Paypal auf meiner Number26 Kreditkarte den Betrag in Höhe von 39,90€ doppelt abgebucht hat. Das ist bei mir nun zum ersten mal aufgetreten. Mal schauen ob in einer Woche eine Zahlung zurück gebucht wird. Ich halte erstmal die Füße still.

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