exsa_02-2016

Das perfekte Market Timing

Bei der Achterbahnfahrt der Börsen in den letzten Wochen ist es umso verlockender, den perfekten Kauf- oder Verkaufszeitpunkt zu erwischen, um von den starken Schwankungen auch richtig zu profitieren. Natürlich weiss man als Kommer-gestählter Investor, dass Market Timing nicht dauerhaft erfolgreich funktioniert. Aber was soll ich sagen: Ich hab’s einfach raus.

Der perfekte Tag

Wenn es rückblickend in den letzten Wochen einen perfekten Kaufzeitpunkt gab, war das am 11. Februar. Die Märkte waren seit einiger Zeit im Rückwärtsgang, von der Spitze hatte der Dax schon gut 20% verloren. Am Donnerstag letzter Woche schien dann regelrechte Panik auszubrechen und jeder nur noch verkaufen zu wollen. Die Märkte brachen flächendeckend nochmal kräftig ein. Panik gab es aber natürlich nur bei den anderen Markteilnehmern. Ich hingegen wusste, dass das jetzt genau der Tiefpunkt ist, zu dem man einsteigen muss und habe eiskalt eine Kauforder für den Stoxx Europe 600 ETF gegeben, um von der Marktpanik zu profitieren.

Und siehe da: ich hatte recht. Schon einen Tag später schossen die Märkte wieder nach oben. Jeden Tag ging es weiter aufwärts, bis heute hat der Stoxx Europe 600 vom Tiefpunkt fast zehn Prozent gutgemacht. Keine schlechte Rendite für eine knappe Woche, soviel kann man mit ehrlicher Arbeit in so kurzer Zeit nicht verdienen.

Handeln wie ein Profi

Um das Maximum an Gewinn zu erzielen, hatte ich noch einen weiteren Profitrick angewendet: Der Kurs stand beim Setzen der Kauforder bei 30,50 EUR, mein Limit habe ich aber auf 30,20 gesetzt, um von den untertägigen Kapriolen eines Panikmarktes zu profitieren und das Tagestief abzufischen. Das ist eine narrensichere Methode, die immer funktioniert, um nochmal ein paar Promille Extrarendite einzufahren. Und auch diesmal brach der Kurs im Tagesverlauf noch weiter ein: Auf auf 30,33 EUR …

Also, im Prinzip alles richtig gemacht, praktisch alles falsch, denn die Knauserigkeit von 13 Cent beim Kurslimit hat mich um knapp 3 EUR Kursgewinn pro Stück gebracht, weil die Kauforder natürlich nicht durchgeführt wurde.

Für einen Langfristinvestor ist so ein Feilschen um ein paar Cent beim Kauf noch sinnfreier, denn auf Sicht von zehn Jahren macht es vermutlich keinen relevanten Unterschied, weil der Markt bis dahin insgesamt deutlich höher stehen sollte. Mal sehen, ob sich diese Erkenntnis bei mir irgendwann mal durchsetzt, oder doch weiterhin der Nervenkitzel überwiegt, bei Kauforders nochmal ein Extraschnäppchen machen zu wollen. Man lernt ja nie aus…

5 Kommentare zu “Das perfekte Market Timing

  1. Und woher hattest Du die Info oder das Gefühl, dass der Markt sich erholen würde?

    Genau das wäre die Info, die man als „Anfänger“ benötigen würde. Was sind hier Indikatoren? Wie gehst Du hierbei vor? Liest Du bestimmte Nachrichtenportale, oder kannst Du ein Forum empfehlen, das hier besonders hilfreich ist!?

    Danke vorab

    • Das war natürlich kein Geheimwissen sondern reines Glück, dass ich zum Tiefpunkt kaufen wollte. Oder halt Pech, weil der Kauf nicht durchgegangen ist. Ich hatte an dem Tag das Gefühl, dass das der finale Sell-Off ist nach wochenlangen Kursrückgängen. Offensichtlich hatten das gleiche Gefühl auch noch viele andere Marktteilnehmer, sonst wären die Kurse ja direkt danach nicht wieder so in die Höhe geschossen, es haben also eine ganze Reihe von Leuten gekauft. Aber wer weiss, wenn in ein paar Monaten der Markt wieder dreht und noch viel weiter nach unten geht, war es im Nachhinein vielleicht doch nicht so ein perfekter Kauftag wie es im Moment scheint. Alles Spekulation und Glücksspiel, Market Timing funktioniert nicht, auch wenn man sich selber immer mal wieder das Gegenteil einredet.

  2. Ich verwende gestaffelte Kauforders, die ich lange vorher (zB zum Jahresbeginn mit Ultimo Dez) auslege und dann unterjaehrig ggfls anpasse.
    Das geht, weil ich mir einen Wertpapierkredit habe einraeumen lassen (ist kostenlos und bei den meisten Brokern moeglich) und deshalb die Liquiditaet nicht vorhalten brauche (erst nach dem Kauf wird vom Tagesgeldkto aufgefuellt – es sind ja zwei Tage Zeit bis zur Abrechnung der Kauforder)
    Angenommen ich moechte prinzipiell mein Depot um ETFs fuer MSCI World, MSCI EM, World SmallCaps aufstocken:
    Dann lege ich gestaffelt im Sinne von:
    ETF auf MSCI WORLD knapp (zB 2%) ueber charttechnisch Tief zB Aug.2015
    ETF auf MSCI EM knapp (zB 4%) ueber charttechnisch Tief zB Okt.2014
    ETF auf WorldSmallCaps (zB 6%) knapp ueber charttechnisch Tief zB Sept.2015 in den Markt. (also sowohl % verschiedene Abstaende, als auch versch. Tiefs)
    Oder noch feiner mit jeweils zwei diversen Kauforders, usw.

    Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, mit wenigstens der ein oder anderen Kauforder zum Zug zu kommen.
    Das hat gut geklappt: Im Januar mit EM und SMcap und im Februar mit MSCI World.

    • Interessante Strategie. Nimmt aber ein bisschen den Nervenkitzel aus dem Spiel… soll ja schließlich auch Spaß machen das Ganze 🙂

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